Diodor aus Sizilien war ein griechischer Geschichtsschreiber des 1. Jahrhunderts vor Christus, der das umfassendste Geschichtswerk der griechischen Antike verfasste. Über "die Allerwildesten" (Zitat) Germanen1) schrieb er u. a. (Griechische Weltgeschichte, V, 32):

Obwohl ihre Weiber ganz wohlgestaltet sind, so halten sie sich doch sehr wenig zu diesen, sondern werden wie durch unsinnige Raserei zur Umarmung des männlichen Geschlechts getrieben. Sie pflegen sich, auf Tierhäuten am Boden liegend, mit ihren Beischläfern2) rechts und links auf der Erde herumzuwälzen, und was das Unglaubliche von allem ist, sie achten nicht auf ihre eigene Ehre und überlassen ihren Leib bereitwillig anderen, und weit entfernt, hierin eine Schande zu sehen, halten sie es vielmehr für entehrend, wenn einer die angetragene Gunst eines anderen nicht annimmt.

Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom (Römer 1, 18 - 32):

18 Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. [...] 25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge [...] 26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; 27 Ebenso gaben auch Männer den naturgemäßen Gebrauch von Frauen auf und entbrannten in Lust füreinander. Männer verletzten die Ehre anderer Männer, die Konsequenzen für ihren Irrtum haben sie am eigenen Leib zu tragen. [...] 32 Sie kennen die gerechte Ordnung Gottes genau, nach der diejenigen, die so handeln, der Macht des Todes ausgeliefert sind. Trotzdem tun sie es nicht nur selbst, sondern schenken auch anderen Beifall, die ebenso handeln.

Das Alte Testament führt ein ganzes Kapitel (3. Mose (Levitikus), 18) auf, das Verbote geschlechtlicher Verirrungen beinhaltet. Neben dem Verbot von Inzucht und Sodomie heißt es in Vers 22:

Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

Von heutigen Gegnern dieses Verbots wird z. T. aus dem Neuen Testament der Brief des Paulus an die Galater, 3, 26 - 28, entgegen gestellt:

26 Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. 27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. 28 Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid "einer" in Christus Jesus.

Das kann spätestens in Hinblick auf seinen Brief an die Römer wohl kaum als eine Befürwortung der geschlechtlichen Verirrungen gelten. Es gilt wohl mehr das von Papst Franziskus 2013 Gesagte:

"Wenn eine Person homosexuell ist, Gott sucht und einen guten Willen hat - wer bin ich, um über sie zu richten?"3)


1) Dass es sich um Germanen gehandelt hat, ist zweifellos (diese Bezeichnung für die ostrheinischen Völker wird erst durch Caesar begründet), was durch die beigegebene Ortsbeschreibung geklärt wird: Jenseits des Landesinneres, das sich nördlich von Marseille befindet, "sowohl gegen Süden hin, als wie an der Küste des Ozeans und am Herkynischen Walde" (Neuwald) - im großen Ganzen also zwischen Nordsee und Alpen. "Die Allerwildesten unter ihnen sind die, die weiter im Norden und in der Nachbarschaft des Skythenlandes wohnen [...]" (Neuwald). Hier können ostelbische Stämme wie die Sueben oder Langobarden gemeint sein. Problematisch erscheint mir lediglich die Erwähnung der Nachbarschaft zu den Skythen, allgemein wird hier ja von Sarmatern berichtet, die Skythen finden sich noch weiter östlich bzw. südöstlich. Andererseits werden die Sarmater von den vor allem westlichen Vökern meines Wissens immer differenziert; Sarmatien wird, wie mit Abstrichen (später auch) Germanien, als eigenständige Völkerschaft aufgefasst.

In der Überlieferung wird wahrscheinlich gemacht, dass es sich namentlich um die (dann) im heutigen Schleswig-Holstein und Jütland (Dänemark) siedelnden Kimbern gehandelt hat, die, hier behauptet, vormals als Kimmerier Asien durchzogen haben sollen. Tatsächlich hatten die Kimbern mit den Kelten u. a. Waffen- und Kampftechnik gemeinsam, was von "Zeitgenossen [...] zur gelegentlichen Einordnung [...] in die Zwischenkategorie der Keltoskythen führte" (Bleckmann). Das könnte bedeuten, dass Diodor die Sarmater womöglich als Skythen oder Teil der Skythen betrachtete. Kelten waren jedenfalls auch im rechtsrheinischen Raum beheimatet. Die wilden Gebräuche und lärmende Sprache der Kimbern veranlasste den römischen Feldherrn Marius (um 156 - 86 v. Chr.) sogar zu massenpsychologischen Präventivmaßnahmen gegenüber seiner Truppe (vgl. Bleckmann).

2) Oldfather versucht in seiner Übersetzung darzulegen, dass hier statt der von Neuwald nicht weiter präzisierten "Beischläfer" jeweils zwei puber­tierende Jungen gemeint sind. Wenn das anhand des Textes, der dem von Neuwald hier sonst entspricht, auch nicht gänzlich zu widerlegen ist, so ist es jedoch offen­sicht­lich weder seine Intention noch würde es alleine dastehen. Oldfathers Übersetzung fällt zudem in eine Zeit, in der innerhalb des Kulturkreises in dem er tätig war, Pädophile auch mit Unterstützung Homosexueller sexuelle Verbrechen an Kindern massiv zu legitimieren versuchten und für vollzogene Verbrechen in den allermeisten Fällen auch nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Im Gegen­teil wird im Text unzweifel­haft das Verhalten der "Aller­wildesten" (siehe Fußnote 1)) unter­einander beschrieben, alles Weitere ist Interpretation. Somit weist Oldfather indirekt und womöglich unfreiwillig vor allem auf die grund­sätzliche Gefähr­lich­keit der Homo­sexua­lität hin, hier darauf, dass Homo­sexuelle in ihrem Verständnis von Sexua­lität zwischen Erwach­senen und Kindern und Jugend­lichen wenigstens in der Antike, warum auch immer, nicht verant­wort­lich diffe­ren­zierten bzw. nicht in der Lage waren verant­wort­lich zu diffe­ren­zieren. Dieser Mangel kann z. B. auf eine unzurei­chende Fähig­keit zur Selbst­reflexion zurück zu führen sein, die u. a. in homo­sexuellem Gehabe ihren Ausdruck findet und die ein krimi­nelles Sexual­ver­ständnis, d. h. Schädi­gung Anderer oder des eigenen Körpers beinhaltet, was bei von Männern ausgeübter Homo­sexua­lität grund­sätzlich nicht zu vermeiden ist. Diodor verortet beides in den Bereich jenseits der Zivi­li­sation.

3) Zitiert nach: Papst will weniger über..., Zeit online, 19.09.2013.