Heinz von Lichberg wird als Heinz von Eschwege, Spross hessischen Uradels, 1890 in Marburg geboren. Sein als Journalist gewähltes Pseudonym leitet sich ab von dem bei Eschwege gelegenen Leuchtberg, der einst, Schauplatz martialischer Schlachten, vor Blut geleuchtet haben soll. Im Ersten Weltkrieg dient er als Kavallerist. 1916 veröffentlicht er fünfzehn Erzählungen unter dem Titel "Die verfluchte Gioconda". Eine dieser Erzählungen handelt von einem Intellektuellen mittleren Alters, der sich bei einer Auslandsreise in die Tochter seines Zimmerwirtes 'verliebt', ein Kind, das am Ende sterben soll und wird: Sexualität wie ihn nur menschlicher Abschaum einfordert, Feinde der Gesellschaft, ist mit 'Lolita' nun niedergeschrieben.

Nach dem Krieg bleibt von Lichberg als Journalist in Berlin, veröffentlicht kleinere Bücher. Durch die Berichterstattung vom Transatlantikflug mit dem Zeppelin macht er sich 1929 einen Namen als Reisekorrespondent. Seine mit 'Lolita' bewiesene und öffentlich bei Weitem nicht ausreichend wahr genommene, rücksichtslose, selbstsüchtige, verbrecherische und ausgeklammerte Inkaufnahme der Zerstörung und Vernichtung eines Menschenlebens prädestinieren ihn zum willfährigen Mitarbeiter eines in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufbegehrenden, verbrecherischen und Menschen mordenden Regimes. Von Lichberg tritt zusammen mit SA-Sturmführer Wulf Bley als Radiokommentator des Fackelzuges zum Reichstag am 30. Januar 1933 auf. Im Mai 1933 wird er Parteimitglied. Bald darauf ist er in der Kulturredaktion des Parteiorgans 'Völkischer Beobachter' beschäftigt. Seine Kritiken treffen wohl nicht ganz den Stil der Zeit, weshalb er sich fortan mit seichtem Feuilleton begnügen muss ('Mausi und die Nußkremfüllung' z. B. gipfelt im eigenmächtigen Kauf eines Frühjahrshutes seitens einer Ehefrau).

Seit dem 23. Juni 1938 ruht seine Parteimitgliedschaft. 1939, spätestens 1941 ist er wieder beim Militär, überwiegend in der Abwehrabteilung (militärischer Geheimdienst), möglicherweise auch im Kreis um Canaris. Aus britischer Kriegsgefangenschaft wird er im April 1946 entlassen, übersiedelt nach Lübeck, arbeitet dort für die Lokalpresse und stirbt nach kurzer Krankheit am 14. März 1951.

Literatur, Quellen:

Maar, Michael, Der Mann der 'Lolita' erfand, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (Hg.), Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 73, S. 46, 26.03.2004, bzw. faz.net, URL: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E1ED53A8917CB4DF09346D81CFFF0037C~ATpl~Ecommon~Scontent.html (30.05.2006).