Neue Synagoge, Rathaus: 30,3 KB

Um 1920: Blick über den Kessel­brink zur Neuen Syna­goge und Rat­haus. Letz­teres sieht man ent­lang der Vik­to­ria­straße. Zwischen beiden ein Schlot der Dür­kopp­werke. Rechts am Hori­zont der Turm der Spar­ren­burg. Schräg links darun­ter die Neu­städ­ter Kirche. Vorne mittig die aus beiden Häusern bestehende, Ende des 19. Jahr­hun­derts errich­tete Central-Halle, ein Versamm­lungs­haus der Arbeiter­schaft. Es wurde zu poli­ti­schen Versamm­lungen, Festen etc. genutzt. Spätestens ab 1930 hieß es dann "Kyff­häuser". Im Dritten Reich (1933 - 1945) wurde es auch zur Sammel­stelle für die dann in die Lager depor­tierte jüdische Bevöl­kerung aus Stadt und Umge­bung. Aus­schnitt aus einer Pano­rama-Ansichts­karte.

1905 zog die jüdische Gemeinde von ihrem Domi­zil am Kloster­platz an die Turner­straße um. Der Kuppel­bau prägte das Stadt­bild bis zum 9. Novem­ber 1938: in der "Kristall­nacht" brannte die Syna­goge nieder. Die von Reichs­pro­pa­ganda­mini­ster Dr. Joseph Goeb­bels als "Volks­zorn" pro­kla­mierten Aus­schrei­tungen wurden mit­tels Ein­satz von Ein­hei­ten der Sturm­ab­tei­lung (SA)1) und Schutz­staffel (SS)2) durch­ge­führt. Die Feuer­wache wenige Meter weiter am Kessel­brink verhin­derte wie mei­sten­orts ledig­lich ein Über­grei­fen der Flammen auf benach­barte Gebäude.


1) Die Sturm­abtei­lung (SA) war Wehr­ver­band der Natio­nal­sozia­listi­schen Deut­schen Arbei­ter­par­tei (NSDAP) und berüch­tigt für gewalt­tä­tige Aus­ein­an­der­set­zungen mit poli­ti­schen Geg­nern. Nach der Macht­über­nahme 1933 ver­sank sie infolge der Liqui­die­rung ihrer Füh­rung 1934 in die poli­ti­sche Bedeu­tungs­losig­keit.

2) Die Schutz­staffel (SS) war eine Hitler direkt unter­stellte und nur ihm ver­pflich­tete Orga­ni­sa­tion, deren Mit­glieder streng nach rassi­schen und welt­an­schau­lichen Krite­rien ausge­sucht waren. Innen­poli­tisch war sie eng mit dem Poli­zei­appa­rat ver­schmol­zen und Hit­lers wich­tig­stes Macht­in­stru­ment. Die SS war maß­geb­lich an der Ver­fol­gung und Ermor­dung hun­dert­tau­sender Juden und anderer Men­schen in Polen und der Sowjet­union sowie darüber hinaus an der "End­lösung der Juden­frage" betei­ligt, des syste­ma­ti­sierten Massen­mordes an Juden, der weitere uner­wünsch­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen zum Opfer fielen. Ihr unter­stand die Kon­trolle über die Konzen­tra­tions­lager. Ihre bewaff­nete Glie­de­rung, die Waffen-SS, ope­rierte im Zwei­ten Welt­krieg mit 38 Divi­sionen von der Wehr­macht weit­ge­hend unab­hän­gig. Sie galt auch beim Feind als Elite­truppe, verübte ande­rer­seits mannig­fach auch grau­sam­ste Kriegs­ver­bre­chen. In den Nürn­ber­ger Pro­zes­sen wurde die SS 1946 als ver­bre­che­rische Orga­ni­sa­tion ver­boten.