Wer oder was ist/sind Weddige
n?Weddigen ist der Name einer weit verzweigten westfälischen Familie. Ganz genau erklärt ihn ein Familienmitglied: "Der Familienname Weddigen (Weddig, Wedigen) ist niederdeutschen Ursprungs. Etymologisch erklärt, bedeutet das Wort Wäldchen, denn der Stamm 'wid' geht auf altdeutsches 'widu' (Wald), wobei das 'e' vorzüglich durch niederdeutschen Einfluß entstanden ist. An die Kose- und Diminutivform hat sich dann der schwache, patronymische Genitiv auf 'en' angefügt. Nach anderer Deutung ist die Silbe 'ig' aus 'ing' entstanden, wie Hennig aus Henning, Sohn des Heinrich, kleiner Heinrich. [...] Es bedeutet also Weddigen Söhne des Waldes [...]"
1)
Immerhin drei Familienmitglieder haben sich in der Vergangenheit so hervor getan, dass ihnen ein Straßennname gewidmet sein könnte. Es sind dies der Publizist Peter Florens Weddigen, der Schriftsteller Friedrich Otto Weddigen und der U-Boot-Kommandant Otto Weddigen.
Peter Florens Weddigen (* 1758 Bielefeld, + 1809 Kleinenbremen bei Minden) war darum bemüht, die Geschichte Westfalens zu erforschen und zu verbreiten. Er veröffentlichte das 'Westphälische Magazin' und schrieb u.a. die 'Historisch-geographisch-statistische Beschreibung der Grafschaft Ravensberg in Westphalen' (2 Bde., Leipzig, 1790).
Sein Urenkel Dr. Friedrich Heinrich Otto Weddigen (auch Otto Weddigen, Dr. Otto Weddigen, Friedrich Otto Weddigen, * 1851 Minden, + 1940 Berlin) war Schriftsteller und erreichte mit seiner Dichtkunst, als Theodor Storm Westfalens bezeichnet zu werden. Neben Dramen, Novellen, Erzählungen, Gedichten usw. verfasste er Abhandlungen über Theater und Literatur und ihre Geschichte und schrieb patriotische Dichtungen wie z. B. 'Unser Seeheld Weddigen. Sein Leben und seine Taten, dem deutschen Volke erzählt.' (Berlin, 1915).
Otto Weddigen (eigentlich Otto Eduard Weddigen, * 1882 Herford, + 1915 auf See), Urgroßneffe Peter Florens', gelang eine Karriere zum U-Boot-Kommandanten in der kaiserlichen Marine. Im September 1914 versenkte das von ihm befehligte U9 drei britische Panzerkreuzer, wofür er das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse erhielt, die Besatzung das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Schon wenige Wochen darauf, im Oktober, versenkte das U9 einen weiteren britischen Kreuzer, weshalb ihn der Kaiser nun mit dem höchsten preußischen Orden, dem Pour le Mérite (übersetzt etwa: für den Verdienst, für die Tüchtigkeit), auszeichnete. Nach einer Verletzung gab Weddigen das Kommando über das U9 im Januar 1915 ab.
 |
|
Das in seiner Heimatstadt Herford nach dem Kapitänleutnant Otto Weddigen benannte Weddigenufer am Fluss Werre.
|
|
In Folge der völkerrechtswidrigen Handelsblockade Deutschlands durch England erklärte die deutsche Regierung eine völkerrechtswidrige Verschärfung des U-Boot-Krieges. Im März 1915 befehligte Weddigen das U29 und lief zur Feindfahrt in die irische See aus. Ziel waren gegnerische Handelsschiffe. Auf dem Rückweg kam es zur verhängnisvollen Begegnung mit der britischen 'Grand Fleet' ('Großen Flotte'): nach einem Fehlschuss auf das Schlachtschiff 'HMS Neptune' wurde das U29 von dem Schlachtschiff 'HMS Dreadnought' gerammt und versenkt. Alle Besatzungsmitglieder einschließlich des Kapitänleutnants fanden den Tod.
Der schon zu Lebzeiten einsetzende, um Otto Weddigen betriebene Heldenkult wurde lediglich übertroffen von dem um den im April 1918 abgeschossenen Jagdflieger Manfred von Richthofen, dem 'Roten Baron'.
Da die Weddigenstraße in Bielefeld in einer Gegend liegt, in der auch andere Straßen nach Historikern mit Bezug zur Stadt bzw. Grafschaft benannt sind (Schaten, Lamey, Nitzsch u.a.), gehe ich davon aus, dass es sich also wegen der Benennung dieser Straße um Peter Florens Weddigen handelt. Friedrich Otto Weddigen passt inhaltlich nicht richtig zu den Anderen, wenn er auch über Westfalen, die übergeordnete Region, berichtet. Auch die Benennung einer Straße nach einem 'Kriegshelden' ist im geschilderten Zusammenhang wohl eher fehl anzunehmen.