Dortmunds Stadtzentrum ist durch den Ring der Wall-Straßen lokalisiert, die die mittelalterliche Ausdehnung der Stadt nachzeichnen. Hier gibt es vier alte Kirchen deren einer oder anderer Besuch lohnt.


Petrikirche:

Vom Bahnhof ausgehend überquert man den Königswall und gelangt über eine Treppe in die Fußgängerzone. Nach weiterer Überquerung der Kampstraße mit den dort verlaufenden Straßenbahnschienen erreicht man die Petrikirche. Sie wurde 1322 zu bauen begonnen und im Laufe ihrer Geschichte mehrfach, zuletzt 1943, zerstört. Nur der Taufstein ist noch aus der ersten Kirche erhalten. 1954 - 66 wurde sie in ihrer ursprünglichen Architektur wieder aufgebaut.

Ihre Attraktion ist 'Das Goldene Wunder von Dortmund', ein spätgotischer Schnitzaltar von 1521 aus der Antwerpener Lukas-Gilde. Er wurde im II. Weltkrieg ausgelagert und überstand so die Zerstörung der Stadt. Von den heute weltweit noch ca. 200 erhaltenen Antwerpener Schnitzaltären aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts ist er mit 5,60 m Höhe und 7,40 m geöffneter Breite der Größte. Schon zur Zeit seiner Herstellung war der Altar eines der größten kirchlichen Bildwerke überhaupt. Er wurde von den Dortmunder Franziskanern in Auftrag gegeben und gelangte 1809 im Zuge der Säkularisation in die Petrikirche.

Eine Besonderheit sind die zwei Paar Flügel, so dass sich eine dreifache Wandlung im Rhythmus von Liturgie und Kirchenjahr ergibt:


Klappordnung

Zeitraum

Inhalt

1. Öffnung,
Alltagsseite

Pfingsten bis Erntedank

Die 36 Tafelgemälde beinhalten einen ausführlichen Zyklus der Kindheits- und Familiengeschichte Jesu, von der Urgroßmutter bis zum 12-jährigen Jesus im Tempel.

2. Öffnung,
Festtagsseite,
'Das goldene
Wunder'

Erntedank bis zur Karwoche, Ostern bis Pfingsten

Der vergoldete Schnitzaltar mit seinen 36 Schreinen mit insgesamt 633 Figuren. Beinhaltet die Passionsgeschichte Jesu mit der Kreuzigung im Mittelpunkt.

geschlossener
Zustand

in der Karwoche

18 Tafelgemälde.



In früherer Zeit stand der Altar hinter dem Lettner im Chor der Kirche und war nur den Geistlichen einsichtig.


Quellen:

http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/16528/ (Stand: 26.1.05)

http://www.stpetrido.de/index.html (Stand: 26.1.05)

http://www.st-petri-gemeinde.de/ (Stand: 26.1.05)



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Probsteikirche: 3,6 KB
Probsteikirche St. Johannes Baptist:

Geht man die Fußgängerzone nach links weiter, sieht man nach kurzer Zeit rechter Hand etwas nach hinten versetzt die Probsteikirche, die ehemalige Klosterkirche des Dominikaner-Ordens. Sie ist die jüngste und einzige katholische der vier Kirchen und beherbergt einen Hochaltar mit Tafelmalereien von Derick Baegert.


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Reinoldikirche:

Dem ursprünglichen Weg folgend, erreicht man schon bald die auf der linken Straßenseite liegende Reinoldikirche. Sie ist dem Schutzpatron der Stadt, dem hl. Reinold, geweiht.

Ab dem 11. Jahrhundert gebaut, war sie ursprünglich Stiftskirche und wurde erst Pfarrkirche um von dem kölnischen Erzbischof Anno dem Stift St. Mariengraden in Köln einverleibt zu werden. Während des großen Stadtbrandes 1232 wurde die Kirche zerstört. Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt sie einen über 100 m hohen Turm und wurde auch Ratskirche: der Turmwächter wachte von nun ab hier über die Stadt. Im Zuge wirtschaftlichen Niedergangs und des 30-jährigen Krieges wird der Turm baufällig und stürzt 1661 in das Langhaus, nicht ohne großen Schaden anzurichten. Bis 1828 hat sich die Gemeinde soweit erholt, dass sie jetzt anderen Gemeinden die gemeinsame Nutzung der Kirche einräumt, in der unfreiwilligen Absicht sich mit diesen zu vereinen und dadurch weiter zu bestehen. Erst im 2. Weltkrieg stand ihre Existenz durch die abermalige Zerstörung wieder in Frage.


Quellen:

http://www.st-marien-dortmund.de/kirche/geschichte.htm (Stand: 19.02.05)

http://reinoldi.cydox.de/ (Stand: 19.02.05)



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Marienkirche:

Direkt gegenüber der Reinoldikirche befindet sich die Marienkirche. Sie ist die älteste der vier Stadtkirchen.

Marien- (links) und Reinoldikirche (rechts): 10,3 KB

Links die Marienkirche mit dem großen gotischen Chor, rechts dahinter die Reinoldikirche.
Der Überlieferung nach könnte schon Ende des 10. Jahrhunderts eine erste Kapelle existiert haben, als die Reinoldikirche noch Stiftskirche war. Diese Kapelle diente der Gemeinde als Kirchenraum, während die Reinoldikirche den Klerikern vorbehalten blieb.

Der Tradition nach sollen Adelige anno 1066 eine Königskapelle gestiftet haben, nachdem Reinoldi erzbischöflich-kölnisch wurde. Sicher ist, dass die romanische Pfeilerbasilika, wie man sie noch heute großenteils vorfindet, 1170 zu bauen begonnen wurde. Erst durch die Zerstörung der Reinoldikirche während des Stadtbrandes 1232 wird die Marienkirche zur Pfarrkirche mit Tauf- und Begräbnisrechten erhoben.

Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgt der Abriss der drei romanischen Apsiden (halbkreisförmige, niedrige Chorräume) und der Bau des größeren, gotischen Chores.

Nach einer Blütezeit im Hansebund verliert Dortmund ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts an Bedeutung. Kriege, Besatzungszeiten und Truppendurchzüge festigen in der Folgezeit eine zunehmende Verarmung. Erst im 19. Jahrhundert erfährt die Marienkirche eine langjährige Restaurierungsphase. Mehr...

Leider sollten diese Anstrengungen im 2. Weltkrieg zunichte gemacht werden. Bei vier Luftangriffen (von vielen) wurde die Kirche schwer beschädigt. Alle Fenster zerbrachen, die mittelalterliche Orgel wurde ein Raub der Flammen. Das Mittelschiff stürzte ein, nachdem die Kirche vollständig ausgebrannt war. Die beiden Altäre überstanden die Angriffe, weil sie ausgelagert waren. Von 1948 - 57 erfolgte der Wiederaufbau.

Für Kunstinteressierte empfiehlt sich ein Besuch der Kirche. Der Marienaltar des Meisters Conrad von Soest gilt als die schönste Tafelmalerei Westfalens.Marienaltar und Adlerpult: 8,1 KB Leider ist das Altarbild in der Zeit des Barock zersägt worden, um es in einen neuen Altaraufsatz einzupassen. Dieser ist seinerseits im letzten Krieg verbrannt, so dass man heute nur noch die fragmentarischen Bilder sehen kann. Ursprünglich handelte es sich um einen Flügelaltar, wegen der Anpassung an den barocken Aufsatz ist eine Klappung aber nicht mehr möglich.

Die drei Tafeln der Festtagsseite zeigen die Geburt Jesu (links), die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland (rechts) und die Entschlafung Mariens (Mitte). Letzte Darstellung entbehrt der biblischen Grundlage. Rückseitig auf den Aussenflügeln, ehemals in geschlossenem Zustand zu sehen (Werktagsseite), befinden sich die Darstellungen der Verkündigung an Maria sowie ihrer Krönung.

Auch der Kreuzaltar des Berswordt-Meisters, den Bielefeldern ein Begriff aus der Neustädter Marienkirche, ist sehenswert. Auf der Festtagsseite ist das Karfreitagsgeschehen abgebildet: Kreuztragung, Golgatha und Kreuzesabnahme. Die Werktagsseite zeigt die Verkündigung an Maria. Beispielhaft ist die mit der Gotik einsetzende Vermenschlichung der abgebildeten Personen und die Darstellung von Alltagsgegenständen.

Weitere interessante Ausstattungsgegenstände der Kirche sind z. B. die 'Goldene Muttergottes', so genannt, wegen des goldschimmernden Gewandes, das sie trägt. Mutter und Kind halten Distanz und haben keinen Blickkontakt. Sie wurde 1230 im Stil der Romanik geschnitzt. Im Gegensatz zur Gotik wird die Muttergottes als scheinbar frei von menschlichen Empfindungen dargestellt, da Vertraulichkeiten gegenüber dem Gottessohn selbst von ihrer Seite als unangemessen galten.

Erwähnenswert ist sicher auch das Sakramentshaus, um 1450, Sandstein, in der Form einer hochgotischen, französischen Kathedralfassade. Es diente zur Aufbewahrung liturgischer Geräte, z. B. Kelch und Monstranz. Wahrscheinlich befanden sich in einer oberen Öffnung Reliquien.

Das Adlerpult ist ein Lesepult von ca. 1550 auf originalem Sandsteinsockel.

Ferner gibt es eine außergewöhnliche Christusfigur: Christus ist dargestellt als Weltenherrscher mit Reichsinsignien und hat gleichzeitig auch die Weltkugel unter dem rechten Fuß - die übliche Darstellung als Erlöser (um 1480).


Literatur, Quellen:

http://www.st-marien-dortmund.de/kirche/index.htm (Stand: 19.02.05)

Janßen, Inge u.a., Ev. St. Marienkirche zu Dortmund, hrsg. von der ev. St. Mariengemeinde zu Dortmund, Dortmund o.J.



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